Die Landschaft der „ungarischen Sahara“
Fülöpháza liegt im Herzen eines der größten zusammenhängenden Sandgebiete Mitteleuropas. Der Kiskunság-Nationalpark schützt hier eines seiner wertvollsten Naturareale: das Dünengebiet von Fülöpháza, das sich über rund 2.000 Hektar erstreckt und Teil einer insgesamt etwa 7.400 km2 großen Sandlandschaft zwischen Donau und
Theiß ist.
Diese Landschaft entstand durch die Ablagerungen der Donau in vorgeschichtlicher Zeit. Nachdem der Fluss sein ursprüngliches Bett verlassen hatte, formte der Wind die zurückgebliebenen Sandmassen weiter. So entstanden die charakteristischen, meist nordwest–südost verlaufenden Dünenzüge, die das Gebiet bis heute prägen.
Fülöpháza selbst ist ein außergewöhnliches Kleindorf. Immer wieder taucht es in den Nachrichten auf – vor allem wegen seines halbwüstenartigen Klimas und der starken Temperaturunterschiede.
Kondor-tó, Szappan-szék und Szívós-szék sind Namen ehemaliger Seen, die in den 1970er- und 1980er-Jahren noch als Badeplätze dienten. Am Kondor-See fanden zudem ornithologische Schulungen und Vogelrettungen statt.
Die Umgebung von Fülöpháza lässt sich heute über mehrere Lehr- und Wanderwege im Nationalpark erkunden, die einen guten Einblick in die besondere Landschaft und ihre Zusammenhänge bieten.
Die Tier- und Pflanzenwelt ist hier allgegenwärtig. Im Juni steht das Federgras (Árvalányhaj) in voller Blüte – ein Naturschauspiel, das ebenso beeindruckend ist wie die Tulpenfelder in den Niederlanden, nur hier ohne Touristenmassen.
Typisch für die Region sind Sandsteppen, geschützte Wacholderhaine, kleinere Pappel- und Kiefernwälder.
Eine der charakteristischen Pflanzen ist der „Báránypirosító“, der früher von Schäfern zum Markieren der Schafe verwendet wurde. Zur heimischen Tierwelt zählen unter anderem die Sand-Eidechse (Königseidechse), die Ungarische Sandviper, Feldhasen, Rehe und Fasane.
Eine wissenschaftliche Besonderheit der letzten Jahre ist die Entdeckung einer bislang unbekannten Tierart mit 16 Augen, die in der Umgebung von Fülöpháza identifiziert wurde – auch wenn die Einheimischen ihr bislang noch nicht persönlich begegnet sind. (Entomobrya arenaria)
Bemerkenswert sind auch seine Angaben: Das Gemeindegebiet umfasst fast 50 km2, bei nur rund 900 Einwohnern inklusive der umliegenden Tanyas. Damit zählt Fülöpháza zu den am dünnsten besiedelten Regionen Ungarns.
Mit der Zeit wurden jedoch die Wassergräben zugeschüttet, die diese Seen beiHochwasser speisten. Die Gewässer trockneten aus, und heute weiden Tiere in den sandverwehten Becken. Während Hochwasser an der Donau große Schaden verursacht, zeigt diese Region, wie viel Wissen früherer Generationen verloren gegangen ist.
Wissenswertes
Weniger bekannt ist, dass der Schauspieler und Theaterregisseur Béla Pintér, eine der markantesten Persönlichkeiten der ungarischen Theaterszene, familiäre Wurzeln in der Einödwelt „Tanyawelt“ von Fülöpháza, Fülöpszállás und Kerekegyháza hat.
Die Zeit, die er bei seinen Großeltern verbrachte, prägt bis heute seine Werke und seine Darstellung des ländlichen Lebens.
